Singen & Corona

Eine Materialsammlung für Sänger*innen und Chöre

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wissenschaft:kaehler_cj2020b

Musizieren während der Pandemie - was rät die Wissenschaft?

Kähler CJ, Hain R. Musizieren während der Pandemie - was rät die Wissenschaft? (2020-05-08). https://www.unibw.de/lrt7/musizieren-waehrend-der-pandemie

Dazugehöriges Video: https://www.youtube.com/watch?v=0JmcjRhV-rs

Zusammenfassung

Ein sehr interessanter Bericht der beiden Wissenschaftler Prof. Dr. Christian J. Kähler und Dr. Rainer Hain, der auf viele Aspekte des Singens und Musizierens eingeht (u. a. auch Raumbelüftung, soziale Aspekte usw.). Die Untersuchungen basieren auf Experimenten mit Sänger*innen und Bläsern im Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik der Universität der Bundeswehr München (UniBw M). Dazu existiert auch ein Video, in dem die Experimente dargestellt werden.

Kritik

Die Ergebnisse zum Thema Singen stützen sich leider fast ausschließlich auf die Phonation von Vokalen. Aber im Experiment mit der Kerze, durchgeführt mit der Sängerin und Dozentin am Salzburger Mozarteum, Marion Spingler, ist bereits deutlich zu sehen, dass selbst bei der relativ zaghaften Artikulation der Sängerin die Kerzenflamme bei einem Plosivlaut wie „T“ fast erlischt. Leider wird an dieser Stelle nicht weitergeforscht.

Aber (Profi-)Chöre, die zusammen mit großen Orchestern auftreten (also u. a. alle Opern- und Rundfunkchöre), werden stets zu überdeutlicher Artikulation angehalten. Tröpfchensprühregen mit einer Reichweite von mehr als 2 Metern sind als Folge keine Seltenheit. Aber genau an dieser Stelle versagen die Forschungsansätze bisher allesamt. Singen ist in der Praxis eben wesentlich mehr als nur Phonation von Vokalen.

Dass der Bericht ein Schnellschuss ohne Begleitung durch Sachverständige aus dem Bereich Phoniatrie/Stimmphysiologie ist, zeigt nicht zuletzt dieser vom Sinn her völlig verunglückte Satz (S. 3 – Hervorhebung durch mich):

Bei hohen Tönen wurde die gleiche Luftmenge bereits in knapp 5 Sekunden bewegt, allerdings wird zur Erzeugung hoher Töne die Luft oft eingeatmet, so dass in diesem Fall die Gefahr einer Tröpfchenverbreitung sehr gering ist.

berlindave 2020-07-18 17:07

Update vom 08.05.2020

In der Version vom 08.05.2020 wird gegenüber der Fassung vom 07.05.2020 lediglich auf die geänderten Abstandsempfehlungen aus dem ersten Update der Risikoeinschätzung des FIM hingewiesen.

Erstfassung vom 07.05.2020

wissenschaft/kaehler_cj2020b.txt · Zuletzt geändert: 2020-07-23 21:28 von berlindave